Geistiges Schauen, Kurstag 26. August 2017 in Innsbruck mit Heinz Grill, Einführung Günther Pauli

 

Der Verfasser baute diesen Text auf seinen Notizen auf. Mehr als ein Dutzend Teilnehmer meldeten sich zu Wort. Heinz nahm die Beiträge und Anregungen auf und führte sie zu Zusammenhängen.

 

Aufbauend auf den vorangegangenen Schulungstagen sollten freie Betrachtung, Rekonstruktion der Erinnerungen und daraus folgend die Empfindungen erlebt und beschrieben werden. Heinz schlug außerdem vor, die Frage zu besprechen, welche Substanzen und Wirkungen nach dem Tode im Kosmos erhalten bleiben und was für die Seele aus dem Irdischen nach dem Tode bedeutsam bleibt.

 

Günther führte in das Thema ein mit einer historischen Betrachtung der Entwicklung des Denkens: Es hat sich in der Neuzeit zur Abstraktion entwickelt, in der durchaus die Geistwelt erscheinen kann. Jetzt erscheint es an der Zeit, es in die Sphäre des Lebendigen weiter zu entwickeln: Die Menschen erwarten vordergründig Bilder, tatsächlich jedoch Imaginationen!

 

Heinz bewegte die Schritte vom abstrakten zum bildhaften Denken: Wollen wir mit Informationen gefüttert werden oder Fragen bewegen? Haben Gedanken Wirklichkeit? Fragestellungen bewirken Entwicklungen, vor allem, wenn sie zu Gesprächen mit anderen Menschen führen.

In der eigenen Arbeit kommt es darauf an, die Fragen in beschaulichem Abstand zu halten.

Die entstehenden Gedanken müssen gepflegt werden, Tage lang, damit sie Gefühle bewirken.

Sie werden dann lebendig, wenn ich sie liebe, dann entstehen mir Bilder. Sie müssen immer wieder hervorgerufen und bewegt werden. Dabei sollten die Assoziationen, die aus dem Gedächtnis, aus dem Ätherleib, aus meinem hiesigen bisherigen Leben aufsteigen von Imaginationen,   die aus der Zukunft hereinleuchten, unterschieden werden. Dies erfordert Anstrengung, Geisteskraft - „Vor“denken statt „zurückdenken“ (wie im letzten Kurstag geübt)!

 

Übung: Willi Brandt: Was erlebe ich in der Erinnerung? Sein Erscheinungsbild oder mehr, die Zeitphänomene, so, dass ich ein Erlebnis der „Ära Brandt“ gewinne?

 

Im Beschreiten dieser Wege gibt es Hindernisse: Es wird viel gelogen, es gibt Bindungen, auch aus Ängsten, Menschen können in Furcht und Einsamkeit geraten. Kirchen nutzen solche dunklen, weil meist unbewussten Beziehungs-Sehnsüchte gern aus. Die individuelle Entwicklung wird dadurch oft behindert. Erstaunlich ist deren Verankerung vor allem im staatlichen Leben, ja deren Einfluss in viele Lebensgebiete bis hin zur Steuergesetzgebung.

 

Aus individueller geistiger Arbeit kann aus Glauben Erleben werden. Wird „Wahrheit“ erkannt, verbindet sich ein Mensch tief mit seinen Erkenntnissen, strahlt er aus, gewinnt im Sozialen an Kraft. Dann will der Mensch nicht in einer Gemeinschaft aufgehen, sondern mit Anderen Gemeinschaften bilden — jeweils in freier Weise mit denjenigen, die sich miteinander karmisch verbinden wollen. Dabei kommet es darauf an, dass jeder sich aus eigener Initiative in die Gestaltung gemeinsamer Arbeit einbringen kann, dass er initiativ tätig sein kann und nicht „Mitläufer“ wird. In solcher Arbeit zeigen sich Widerstände („…das geht so nicht!“) - mit weiterer Denk- und Initiativkraft können sie überwunden werden, wenn sie in liebevoller Atmosphäre in den aktiv Mitgestaltenden Kräfte Michaels wecken!

 

Was bleibt der Welt und der Seele nach dem physischen Tod erhalten?

Klar ist: Hier im Leben Versäumtes, nicht Getanes, kann nicht nachgeholt werden!

 

Erinnerungen helfen in Begegnungen mit anderen Seelen in der Geistwelt. Eine gute Basis bildet die Wertschätzung, die jemand anderen schenkt ohne moralische Wertungen. „Karma“ heißt Arbeit, in der irdischen Welt zu leisten. Das „Negative“ wird durch Bekämpfen nicht wertvoll. Mit aufbauender Gedankenarbeit kann Licht geschaffen werden und Begegnungen mit der geistigen Welt — diese wirken über den irdischen Tod hinaus. Die Entwicklungsschritte die damit gelingen wirken weiter, selbst bis in das nächste irdische Leben hinein.

 

Das „Gauklermärchen“ von Michael Ende beginnt vor der Geburt der Seele Eli und mündet in dramatische Geschehnisse (Chemieunfall) und führt zuletzt zur Befreiung des „Morgenlandes“, das von der Spinne „Agramain“ und deren Spinnenfäden total besetzt und entmenschlicht ist. In der Entwicklung Elis aus dem „Schloss aus buntem Glas“ (der Geistwelt vor der Geburt) heraus bis zum „Morgenland“ zeigt sich, was durch Eli mit den „Gauklern“ bewirkt wird und was bleibt - dasjenige, das die Welt aus geistigem Impuls weiter entwickelt. Das, was heute von mir ausstrahlt, kann, wenn es außerhalb meiner Physis wirkt, weiter wirken.

 

Das von Raphael gemalte Bild des Erzengels Michaels wird betrachtet: Er wirkt aus dem Lichtäther heraus: Gedanken kommen zu uns, eröffnen uns einen Blick in die Geistwelt.

Michael tötet dabei den Drachen nicht, er überstrahlt ihn und bannt ihn in dessen Sphäre.

 

Wir können die Seelen der Verstorbenen suchen, Beziehungen finden, nach deren Tod, eine begrenzte Zeit lang, noch ein Jahr oder ein paar Jahre nach deren Weggang, aber nicht nach vielen Jahren: Dann sind sie weiter fortgeschritten in der geistigen Welt. Es ist hierbei hilfreich, Erinnerungen zu wecken, was hat mich dem Verstorbenen verbunden, was haben wir gemeinsam gemacht.

 

In einer Übung wird dies versucht: Dabei kam es darauf an, reale, objektive Gegebenheiten zu erinnern, jedoch keinesfalls Intimitäten zu suchen oder in die persönliche Sphäre eindringen zu wollen! Dann kann sich offenbaren, wie der Verstorbene auf sein Leben schaut, wie er sich im Rückblick erlebt. Ja, er kann dem Suchenden Hilfe geben in Fragen, die ihn im aktuellen Leben bewegen. In der Übung konnte erlebt werden, dass mit gut gewählten Fragen und Aussagen der angesprochene verstorbene Vater einer Teilnehmerin in die Vorstellung des Verfassers eintreten konnte.

 

Auf keinen Fall, darf man in solchem Bemühen in psychoanalytische Fallen geraten, dann mündet man im eigenen dunklen Innern, lässt sich vortäuschen, dies sei die andere Seele.     Im Gegenteil, man muss sich wie vor einer Tür stehend erleben, die immer wieder ein wenig transparent wird. Die gefundene Seele kann uns Hinweise senden - vorausgesetzt, wir haben Fragen und den Wunsch zu weiterer Entwicklung: Dann kann die Seele aus dem Geistreich helfen: Wir fragen, will sie dies? Erleben wir ihr Ja, helfen ihr, indem wir fragend lauschen!

 

Damit gewinnen wir die Perspektive der Selbstentwicklung, dann, wenn wir unsere höheren Wesensglieder entwickeln: „manas >> buddhi >>> atman",

„Geistselbst >> Lebensgeist >>> Geistesmensch“.

 

Notiert von Karl-Dieter Bodack

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