Der Wärmeäther

 

Der erste Äther, der im Einzelnen hier dargestellt werden soll, ist der Wärmeäther. Seine Bewegungsformen sind durch Zentrum und Umkreis gegeben und er steht in der feinstofflichen Organisation des Menschen in naher Beziehung zu dem sogenannten „vierten Zentrum“ oder „vierten Chakra“, aber auch zur physischen Herzanlage und dem Blutsystem (Zentren oder Chakren, siehe zum Beispiel Heinz Grill, „Kosmos und Mensch“, Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen, S.252 ff).

  

Aus dem weiten Umkreis legt sich ein erstes Zentrum an.

Zeichnung: Autor

 

In einer räumlichen oder dreidimensionalen Vorstellung kann der Charakter des Feuer- oder Wärmeäthers vielleicht noch besser in die Vorstellung oder Empfindung gelangen: Ein Kugel umspannt einen Tetraeder oder „Vierflächner“, in deren gemeinsamen Mitte die tiefenzentrierende Wirkung entsteht. 

 

Bei den geometrischen Darstellungen in Bezug auf die Äther, darf man aber nie von starren Verhältnissen ausgehen, da das Wesen der Äther immer eine dynamische Beweglichkeit, ein „Auseinanderhervorgehen von Bewegungen“ ist, so dass die geometrischen Darstellungen nur Hilfsmittel zur Verbildlichung bestimmter Merkmale der Äther darstellen, aber nicht etwas Starres zum Ausdruck bringen sollen. Zeichnung: Autor

 

Man könnte mit dem Wort „Wärmeäther“ irrtümlicherweise eine Art rötlich-gelbliche oder hitzige und unruhige Flammenbildung in Verbindung bringen. In seinem Wirken schafft der Wärmeäther aber aus metaphysischer Sicht aus einem weiten Umkreis eine  ordnende Zentriertheit, die sich in ihrer Tiefenwirkung in der Farbe blau offenbart. Diese Zentrierung und Ordnung, die  verschiedene Einzelheiten oder Individuen in rundenden Bewegungen zu einer Gesamtheit verbindet, ohne deren Einzeldasein auszulöschen, könnte man auch mit dem fast widersprüchlichen Ausdruck „kühlende Wärme“ umschreiben (siehe auch Heinz Grill, „Das Wesensgeheimnis der Seele“, Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen, S. 196, 197).

Der Wärmeäther steht auch in naher Beziehung zu der seelischen Qualität des Planetenwesens der Sonne, welche sich durch die Verbindung und Einheit von Individualität und Universalität auszeichnet (zu dem kosmisch-seelischen Qualitäten der Planetenwesen, siehe zum Beispiel Heinz Grill, „Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik", Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen).

 

Die Wetterlage des kontinentalen Ostwindes im mitteleuropäischen Sommer, die sehr selten geworden ist, kann vielleicht eine erste Empfindung zum Wärmeäther geben. Bei diesem sommerlichen Ostwind ist die Luft warm, aber nicht heiß, drückend oder schwül. Sie umspielt die Haut und die Dinge der gesamten Umgebung mit einer streichelnden Wärme, die den Menschen in eine Ruhe spendende Verbindung zum Gesamten der Landschaft und zu dem ihn umgebenden Luftraum bringt. Wie in der obigen Zeichnung durch die Farbe blau ausgedrückt, zeichnet der Wärmeäther einen Tiefenausdruck in die Landschaft, der die einzelnen Konturen ohne Härte hervorhebt und sie doch in ihrer Gesamtheit verbindet. Zeichnung: L. M.

  

Vorschläge zur übenden Annäherung an das Wesen des Wärmeäthers

 

Eine Yogaübung mag das für den Wärmeäther charakteristische Verhältnis von Umkreis und Zentrierung in ein erstes Erleben führen:

 

Heinz Grill, Herzmittelstellung in Balance, Verhältnis von Zentrum und Umkreis.

Der Ausführende balanciert in der Hocke auf den Zehenspitzen und führt die inneren Handflächen auf etwa Herzhöhe zusammen. Zur Intensivierung der Empfindung, können die Hände aus einer weiten Umkreisbewegung mit den Armen heraus zusammengeführt werden. Die Ausführung der Übung in der Bewahrung des Gleichgewichts gelingt am leichtesten, wenn man sowohl in die Sammlung zur Mitte, als auch im wachen Außenbezug zur Umgebung bleibt. (Man versuche auch einmal die Übung mit geschlossenen Augen zu vollziehen, oder, wenn ein Vorgang in der Umgebung die Aufmerksamkeit einseitig stark nach außen lenkt.)

Bild: Copyright Stephan Wunderlich Verlag

  

Eine weitere mögliche Übung zur Annäherung an das Wesen des Wärmeäthers ist folgende:

Man geht zunächst von der Vorstellung aus, dass in Bezug auf den menschlichen Organismus ein Leiblich-Inneres und eine Außenwelt gegeben sind, die in einer Beziehung miteinander stehen. Zum Beispiel tauschen „Innenraum“ und „Außenraum“ Wärme aus und dieser Austausch wird rein physiologisch über das Krauslaufsystem reguliert. In einem  ganz einfachen Bild kann das folgendermaßen dargestellt werden:

  

 

Im Physischen würde man ein unmittelbares, lineares Einwirken von außen nach innen und von innen nach außen als kürzeste Verbindung annehmen:

 

 

Schon die Anatomie des Kreislaufsystems legt aber nahe, dass dieser Austausch von außen und innen nicht einfach geradlinig durch den Organismus erfolgt, sondern sich bogen- oder kreisförmig entwickelt. Von der Peripherie des Organismus bis zum Zentrum und zurück ergeben sich kreisartig geschlossene Wege, welche folgendes vereinfachtes Bild nahelegen:

   

 

Zwischen Außenraum und Innenraum entstehen runde, bogenförmige Beziehungen, die um ein imaginäres Zentrum erfolgen und dieses aber auch immer wieder neu in verwandelter Form entstehen lassen. Das Schaffen eines Zentrums aus einer Umkreisbewegung zeichnet die Wärmeätherkräfte. Zeichnungen: Autor

 

Auch kann der Wärmeäther direkt an der Formation einer Landschaft studiert werden:

 

Ein Beispiel hierfür mag diese oberägyptische Landschaft sein. Das Bild zeigt einen Teil der zu der Stadt Assuan gehörenden Flussinsel Elephantine im Nil. Weniger aber sollte man nun die hohen Temperaturen Ägyptens und der Sahara mit dem Wärmeäther assoziieren. Vielmehr kann man auf das Gesamtgefüge der Landschaft achten, das eine Einheit oder Harmonie zwischen dem Fluss, den Granitfelsen, dem Inselbewuchs und der dahinter liegenden Wüste zum Ausdruck bringt und dabei doch jedes einzelne Element in seinem Ausdruck bewahrt. Sogar das von den Menschen geschaffene Segelboot fügt sich lebendig und leicht in die Gesamtordnung ein.

 

Die Felsen selbst, wie die Granitfelsen der Insel, aber auch allgemein die Felsen der Gebirgslandschaften, Riffe und Inseln oder die felsige Erdkruste im Gesamten, stehen mit ihrer Festigkeit für die Formung des individuellen Willens, als eine Art Endpunkt eines ehemaligen größeren kosmischen Lebens, welches, mehrere Schöpfungsprozesse durchschreitend, schließlich seinen letzten Ausdruck in der Festigkeit des Gesteins gefunden hat. Der Fels steht inniglich mit dem Wesen der Wärme in Beziehung, er kann vielleicht als ein zur Festigkeit geronnenes Wärme- oder Feuerwesen erlebt werden.

 

Bild: Assuan Elephantine, Pixabay, KHGraf, CC0 Public Domain

  

Das Elementarwesen der Salamander:

 

Mit dem Feuer als Element kann man folgende Eigenschaften verbinden:

Zentrierend, Wärme hervorbringend:

 

Die sonnenhaften Elementargeister des Feuerelementes wirken wärmehaft-zentrierend. Dies ist im Bild am Beispiel des Pollens einer Blüte dargestellt, der weiter zur Frucht und Samenbildung führt. Nach Rudolf Steiner ist der Pollen der Träger der „Weltenwärme“, ebenso, wie auch die ihn übermittelnden Insekten, besonders die Bienen, die von der Aura der Feuergeister, der „Salamander“, begleitet sind. Zeichnung: Autor

 

Die Darstellung ist nach dem Buch von Rudolf Steiner „Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, Teil III, Die Pflanzenwelt und die Naturelementargeister“ beschrieben.