Der Lichtäther

 

Der Lichtäther steht in naher Beziehung zu dem physischen Licht, man kann das physische Licht vielleicht als das äußere Kleid des Lichtäthers oder des eigentlichen Lichtraumes bezeichnen (siehe hierzu auch Heinz Grill, „Das Wesensgeheimnis der Seele“, Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen, S. 119 und 252, 253). Eine besondere Nähe im menschlichen Organismus besitzt er zu der Nierenanlage mit der strahligen Struktur der Nierenrinde, die dem Organ in seinem Inneren einen fast blütenartigen Charakter verleiht.

Schon bei der allgemeinen Beschreibung der Äther haben wir erwähnt, dass das Licht in der physischen Welt für die gewöhnlichen Sinne eine Art Grenzphänomen darstellt: Auf der einen Seite ermöglicht es dem Auge erst, die Dinge wahrzunehmen, auf der anderen Seite ist es selbst ohne Wechselwirkung mit einer Stofflichkeit für das Auge nicht wahrnehmbar.

 

Der Lichtäther ist aber nicht mit dem physischen Licht gleichzusetzen, ähnlich, wie man äußere Wärmeerscheinungen nicht mit dem Wärmeäther gleichsetzen sollte. Er ist vielmehr wie eine „hinter dem Licht“ wirkende Kraft , die sich der gewöhnlichen Raumesdimension entzieht, vom Hellsichtigen im seelischen Eindruck mit hellbläulichen oder schimmernd goldenen Nuancen beschrieben wird und sich mit den drei folgenden Eigenschaften in erster Näherung skizzieren lässt:

 

Die Vertikalität und das Aufrichtevermögen 

 


Der Lichtäther fördert die Vertikalität und das Aufrichtevermögen im gesamten Bereich des Lebens, gerade aber auch bei der menschlichen Leiblichkeit. Die links dargestellten Linien bezeichnen die nach oben strebende Leichte  in einer ersten und einfachen Form. In den Pflanzen bildet sich diese Ätherkraft in einem Längenwachstum ab, das sich aber durch eine besondere Stabilität und Elastizität auszeichnet, wie etwa bei dem Grashalm oder der Kornähre. Die Ätherkräfte bewirken, dass sie die  Last der Samen trägt und sich entgegen der Schwere immer wieder in einer Weise aufrichtet, die der Mensch in einer technisch-mechanischen Weise nicht so ohne weiteres hervorbringen kann.

Das Aufrichten der Pflanzen unter der Einwirkung des Lichtäthers können Sie am Ende dieser Seite sehr schön in einem Video studieren.

Zeichnung links: Autor, Bild rechts: Monika Lepold

 

Das expandierende und entgegenstrahlende Wesen

 

Die innere Dimension des Lichtes, der Lichtäther, besitzt ein aus sich selbst heraus expandierendes, entgegenstrahlendes Wesen, das bis in die Physis hinein raumschaffend und aus der Schwere enthebend wirkt. Zum Beispiel wird das Bewusstsein des Menschen durch diese Kraft erhoben und freier von der körperlichen Schwere und tritt in eine Leichtigkeit des leichteren Bewegens der Gedanken, während gleichzeitig die physiologischen Prozesse aufbauend und regenerierend tätig werden können.

    

Diese Reihe aus vier geometrischen Figuren kann annähernd das aus sich heraus expandierende und entgegenstrahlende Prinzip des Lichtäthers veranschaulichen.

Von links nach rechts: Eine geschlossene, plastische Form öffnet sich von der Mitte her und klappt die drei Teildreiecke nach außen. Ein "Innenraum" wird sichtbar und weitet sich schließlich ähnlich einer Blüte expandierend zur Sechseckform aus.

Zeichnung: Autor

 

Die formende, begrenzende Wirkung 

 

In der Wechselbeziehung mit der Materie zeichnet den Lichtäther besonders eine stoffbegrenzende, formende, ja Materie auflösende Wirkung aus. Schon das physische Licht deutet dies zum Beispiel in der bekannten Wirkung des Sonnenbrandes, im Verspröden von Kunststoffen und in seiner Bleichwirkung an.

Die bleichende und auflösende Wirkung des Lichtes auf Stoffe wird interessanterweise durch das Chlor, einem chemischen Element aus der Gruppe der Halogene bis zu einem zerstörerischen Maße verstärkt.

    

Die drei Halogene Jod, Brom und Chlor.

Durch ihre sehr starke Wechselwirkung mit dem Licht, welche sich schon in den Farben andeutet, steigert sich ihr Vermögen andere Stoffe in kristall- oder salzartige Substanzen umzuwandeln (das Wort „Halogen“ bedeutet „Salzbildner“). Daher müssen zum Beispiel die Verschlüsse ihrer Glasgefäße aus einem besonders chemisch stabilen Kunststoff sein. Im Zusammenspiel mit diesen Elementen zeigt sich in übersteigerter, zerstörerischer Form die stoffbegrenzende, auflösende Kraft des Lichtes unmittelbar und direkt im Physischen. Bild: Autor

   

Diese Erscheinung gründet sich aber nur zu einem Teil in den Elementen selbst, die im Lichtlosen ein erhebliches Maß ihrer Aggressivität verlieren. Das Wesentliche hierbei ist dagegen die intensive Wechselwirkung des Chlorgases oder eines anderen Halogens mit dem Licht, die der Chemiker mit dem Begriff „Radikalbildung“ beschreibt und die eine stark einseitig verstärkte und damit lebenstötende Auflösung und Umwandlung in das salzartig Kristalline hervorruft.

    

In einer moderateren Form wirkt das Licht, oder in seiner eigentlichen Dimension der Lichtäther auf das Pflanzenwachstum begrenzend und formgebend. Es ist ein bekannte Erscheinung (zum Beispiel an im dunklen Keller austreibenden Kartoffeln, Zwiebeln oder Karotten), dass Pflanzen auch im Lichtlosen keimen und wachsen können, also der eigentliche Antrieb zum Wachsen im Sinne der Akkumulation einer Stofflichkeit nicht aus der Kraft des Lichtes oder des Lichtäthers kommt. Das im Dunkeln gebildete Pflanzengewebe zeigt aber merkwürdig blasse, weiche und ungegliederte Formen, die auch eine große Anfälligkeit für diverse Pflanzenkrankheiten aufweisen.

  

Ein Beispiel für die formbildende Kraft des Lichtes beziehungsweise für die Folgen ihres Fehlens: Der links abgebildete Kaktus stand zunächst in für sein gesundes Wachstum angemessenen Lichtverhältnissen. Dies zeigt sich im unteren Teil, in der kräftigen Form und vor allem in der starken Stachelbildung. Später wählte man einen lichtarmen Standort für ihn und er bildete in seinem oberen Teil eine Pflanzenspross mit auffällig weicherem und dünnerem Gewebe und fast ohne Stacheln. Bild: Autor

 

Der Lichtäther berührt die lebende Materie der Pflanzen in begrenzender Weise und verwandelt diese aber an den Begrenzungen formend in feine, kristallähnliche neue Strukturen, die sich in differenzierten, gegliederten Gestaltungen zeigen. Die Pflanze selbst zeigt sich dann gesund und widerstandsfähig gegen die verschiedensten Einflüsse und Krankheiten.

  

Der Lichtäther greift zunächst in feinen Berührungen stoffauflösend und begrenzend in die von unten kommenden Wachstumskräfte ein...

 

und gestaltet den lebendigen Stoff an den Begrenzungen um...

 

und schafft schließlich an den Grenzen neue kristallähnliche Strukturen, die zur Ausbildung von gut durchgeformten Gewebe führen. Zeichnungen: Autor

 

Im Lichtäther finden besonders die seelischen Qualitäten der Planeten Venus und Mars ihren Ausdruck mit einerseits einer Nähe zu Differenziertheit und klarem kristallartigem Erscheinen im Gesamtbild und andererseits im sich öffnenden Entgegengehen (zu dem Begriff der  „Planeten" siehe zum Beispiel „Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik").

 

Weitere Möglichkeiten zur übenden Betrachtung des Lichtäthers

 

Eine Betrachtung anhand von imaginativen Darstellungen und Gedanken:

 

Ein Studieninhalt zum Erforschen des Lichtäthers kann zum Beispiel dieses Bild mit Gedanken von Heinz Grill sein:

Zeichnung: Flora Duley

 

"Raffaels Darstellung des Erzengels Michael ist neben dem hervorragenden malerischen Können in besondere Weise wertvoll, da sie auf schönste und ausdruckskräftigste Weise den Lichtäther unmittelbar hervorbringt.

Die Gestalt geht dem Menschen entgegen, sie erscheint wie aus dem Licht selbst hervortretend, dies ist gerade der Umstand des sich öffnenden Lichtes , in dem die Ätherkräfte in Form von Gestaltung heraustreten und sich in die Wirkenssphäre des Schaffens begeben.

In dieser nachgezeichneten Darstellung können diese Elemente des bewegten Entgegengehens außerordentlich gut in die Erfahrung gelangen."

 

Aus: Heinz Grill: "Die Heilkraft der Seele - Der Lichtäther und der  Lichtseelenprozess", Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen, S.20

 

Eine Betrachtung der Licht- und Schattenverhältnisse und auch der Farben in einer Landschaft oder an Pflanzen:

 

Zum Beispiel kann man das Wirken des Lichtäthers an einer Pflanze auch mit folgender Empfindung charakterisieren: "Der Lichtäther führt die Pflanzen in eine leichte, aufstrebende Bewegung in den Raum..."

 


Oder: "Die Farben treten dem Betrachter freudig und sympathisch, aber nicht aufdringlich entgegen..."

Bilder: Autor

 

Es ist günstig, im Studium des Lichtäthers auch auf ganz konkrete Anhaltspunkte zu achten:

  • Kommt mir die Farbe entgegen oder tritt sie mehr zurück?
  • Richten sich die Zweige leicht auf oder scheinen sie sich mehr nach unten zu neigen, von der Schwere gekennzeichnet?
  • Wie verbindet sich das Licht mit dem Wasser? Ist das Glitzern auf der Wasserfläche zu beobachten?

Das Studium des Lichtäthers in seiner Wirkung am Menschen:

 

Wir haben oben schon erwähnt, dass das Bewusstsein des Menschen durch die Kraft des Lichtäthers erhoben und freier von der körperlichen Schwere wird und ein leichteres Bewegen der Gedanken ermöglicht. Im Menschen findet man also den Ausdruck des Lichtäthers durch den Eindruck einer aufrechten, leichten Haltung und vor allem aber in der Bewegtheit eines befeuernden Interesses. Die Begegnungen sind von einer Leichte und Bewegtheit getragen, die auch in anderen Menschen eine Wachheit und ein interessiertes Aufhorchen erwecken.

 

Ein Blick im Interesse zu einer Sache. Zeichnung: Birgit Lozina

 

Das Aufrichten der Pflanze durch das Wirken des Lichtäthers anhand eines Videos:

 

Video von Martin Sinzinger

 

Diese Filmaufnahmen im Zeitraffer wollen das Wirken des Lichtäthers illustrieren, von dem Heinz Grill (sinngemäß) sagte, dass feinste Substanzen im Licht einen Raum eröffnen, in dem die Blume sich aufrichten kann. Diese Lichtkräfte sind als unmittelbare "Leichtekräfte" zu verstehen. Nicht eine Anstrengung der Physis ermöglicht eine Wirkung entgegen der Gravitation, sondern das Eingreifen kosmischer, raumschaffenden Prinzipien drückt sich unmittelbar und erhebend aus (Text aus Video).

 

Wie man in dem Video sehen kann, richten sich die Pflanzen durch das Wirken des Lichtäthers entgegen die Schwerkraft auf. Die Bewegungen, die der Lichtäther hervorbringt, streben aus einer Leichte nach oben.

 

Das Elementarwesen der Sylphen:

 

Mit der Luft als Element kann man folgende Eigenschaften verbinden:

Elastisch, ausdehnend, verdichtend, formend:

 

Das Luftelement oder die mit ihm verbundenen Wesen, die „Sylphen“ haben die Aufgabe, „in Liebe das Licht an die Pflanzen heranzutragen“. Aus dem Licht weben sie die ideelle Pflanzengestalt in die Stoffe der Pflanze hinein, die von unten herauf strömen. Es ist die Idee der „Urpflanze“, die später nach dem physischen Verfall der äußeren Pflanzengestalt von den „Gnomen“ aufgenommen und in der Erde bewahrt wird. Zeichnung: Autor

 

Die Darstellung ist nach dem Buch von Rudolf Steiner „Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, Teil III, Die Pflanzenwelt und die Naturelementargeister“ beschrieben.