Zusammenfassung einiger Aspekte zur Disziplin des „Geistigen Schauens“

Fachfortbildung vom 19. – 21.1.2018 in Tenno

Verfasst von Andrea Kluckner

 

Mit den Worten: „Wir stehen ganz am Anfang“ führte Heinz Grill nach der Begrüßung durch Sigrid Königseder in das Thema des Geistigen Schauens ein. Damit meinte er wohl, dass wir noch ganz am Anfang unserer Bemühungen stehen, beim Üben tatsächlich metaphysisch etwas wahrnehmen zu können.

 

Für dieses Wochenende war die Aufgabe gestellt, die Auren-Verhältnisse eines Menschen zu studieren. Dazu hatten die Teilnehmer vorab die Anregung erhalten, Bilder, Fotos, evtl. kürzere Filmaufnahmen oder Ansprachen des derzeitigen Papstes Francesco zu studieren. In diesem Zusammenhang war die Erforschung der Unterschiede zwischen Suggestionen und gedanklich orientierter Vorstellungsbildung ein zentrales Thema. Wie Begriffe im Sinne einer beschreibenden Klarheit oder im Unterschied dazu mit Motiven der emotionalen Beeinflussung gebraucht werden können, wurde von Joachim R. in seinem Referat über den Begriff der „Mitte“ herausgearbeitet. Ein weiteres Referat zum Thema der „Sozialen Dreigliederung“ (Begriff von Rudolf Steiner, in Vorträgen nachzulesen) im Zusammenhang mit der Gründung einer Waldorfschule von Karl Dieter B., war sehr anregend. Das philosophisch - geschichtliche Referat von Ludwig M. mit dem Titel „Die Sonne der Gerechtigkeit von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang“ zeigte sehr anschaulich auf, wie sich der Begriff der Gerechtigkeit über die Jahrhunderte hinweg deutlich gewandelt hat. Weitere Beiträge betrafen die gesundheitlichen Wirkungen von Suggestionen im Verhältnis zur klaren Vorstellungsbildung.

 

Die Aura des Menschen ist dreigliedrig

 

Für das praktische Üben und differenzierte Erschauen der Auren-Verhältnisse beschrieb Heinz Grill die Aura des Menschen als dreigliedrig.

Der sogenannte ätherisch-astralische Teil sei veränderlich und unterliegt auf Grund der Tagesverfassung des Menschen vielen Schwankungen. Von einem Arzt könnte diese Aura relativ leicht gesehen werden, wenn er seine Aufmerksamkeit auf den gesamten Allgemeinzustand des Patienten richtet.

Viel tiefer liege die eigentliche, individualisierte astrale Wirklichkeit des Menschen. Mit astral meinte er die dem Menschen eigene, wesenhafte seelische Dimension. Um diese zu ergründen, seien eine ausdauernde Auseinandersetzung und wiederholte Betrachtungen mit geeigneten Kriterien für eine klare Gedankenbildung notwendig. Dieser Teil der Aura war es auch, der für die Anwesenden durch das praktische Üben in eine erste Nähe und Erkenntnis rücken sollte.

Der dritte Teil der Aura sei sehr verborgen und zeige für den geistig Schauenden die innersten Motive des Menschen. Diese Motive könne man aber weniger an der Person selbst ablesen, als vielmehr an dem Umfeld eines Menschen, das es zu erforschen gelte. So könne man beispielsweise die Frage stellen: „Wie wirkt die Rede, die Ansprache eines Vortragenden auf die Zuhörer?“ Die Auseinandersetzung in der Übung beginnt damit im Umfeld der Person.

 

Phase der Konsolidierung

 

In dieser ersten Phase wurden mit den Sinnen wahrnehmbare Eindrücke in Bezug auf die äußere Erscheinung des Papstes gesammelt. Es wurden Bilder vom Papst gezeigt und mit Fragen betrachtet. Beispielsweise: Wie blicken die Augen - mehr nach außen oder mehr nach innen? Wie erscheint die Hand, ist sie eher straff oder weich? Wie äußert sich die Sprache und die Stimme? Wie wirkt der Papst im Zusammenhang mit den vielen Menschen, unter denen er auf vielen Bildern oder Videos zu sehen ist - bleibt er mehr bei sich abgeschlossen, oder tritt er offen in Beziehung? Auch die bereits zu Hause vor dem Wochenende gewonnenen Empfindungen und Eindrücke wurden im Sinne der Konsolidierung von den Teilnehmern zusammengetragen.

 

Es erfolgte ein Austausch in Bezug auf die äußere Wirkung und das Erscheinungsbild. Auffallend war beispielsweise, dass die Reden nie ohne Vorlage gesprochen werden. Der Papst wirkt nicht authentisch sondern zeigt eher zwei Gesichter. Einerseits sieht man ihn auf vielen Bildern mit einem lachenden Gesicht oder mit Späßen zu den Menschen gerichtet, andererseits las er mit fast drohender Geste und Mimik den Text einer Ansprache ab, ohne jeglichen versöhnlichen Ausdruck. Zu diesem Teil der Übung machte Heinz Grill darauf aufmerksam, dass man von allen sinnlich wahrnehmbaren Eindrücken nicht unmittelbar auf die Aura schließen könne, da diese nicht mit den physischen Augen sichtbar sei. Weiterhin sei es günstig, zunächst nur vom äußerlich sichtbaren Erscheinungsbild auszugehen und die Worte erst einmal beiseite zu lassen,da sie leichter zu vorschnellen Interpretationen verleiten. Deshalb wurde ein Video des Papstes zunächst ohne Ton betrachtet.

 

Phase der Konzentration

 

Nach der Konsolidierungsphase erfolgte für ca. 10 bis 15 Minuten die Phase der Konzentration, in der jeder Einzelne das Bild des Papstes in der Erinnerung wieder zu rekonstruieren versuchte. Das Aufbauen des Erinnerungsbildes in der Vorstellung sollte so konkret wie möglich den zuvor objektiv erfolgten Eindrücken nahe kommen. Heinz Grill hatte angeregt, gezielt Fragen zu stellen, wie beispielsweise: Welche Farbe kommt von ihrer Empfindung, die sie auslöst, dem nahe, was das Erinnerungsbild des Papstes ausstrahlt? Ebenso könne man sich geometrische Formen im Wechsel mit dem Bild des Papstes vorstellen, wie beispielsweise ein Dreieck oder einen Kreis und die Empfindungen vergleichen, die jeweils entstehen. Auch die Frage wie weit die Aura rund um den Papst herum ausstrahlt, einen oder zwei Meter, könne man sich stellen. Erstaunlicherweise waren die Ergebnisse recht ähnlich. Die Farbeindrücke zeigten sich von einem hellen Grau über milchig-weiß zu matt-gelblich mit Eindrücken von schwarzen Schattierungen. Die Form wurde als verschwommen, nebulös und undifferenziert und ohne ein Zentrum wahrgenommen.

 

Phase der Vertiefung

 

An dieser Stelle des Übens wurde von Heinz Grill darauf hingewiesen, dass zur Phase der Vertiefung nun regelmäßige Wiederholung mit geeigneten Fragen notwendig ist. In ruhiger Erinnerung müsse das Bild gehalten werden, ohne es zu interpretieren, ohne Sympathie und Antipathie dafür zu empfinden. Die Ergebnisse könnten nicht schnellfertig errungen werden. Es bedürfe Tage und Wochen, ja sogar Monate der Hinwendung und Auseinandersetzung in dieser Form, bis die Eindrücke zu verlässlichen ersten Empfindungen führen. Über die Zeit des Übens hinweg, könne sich aber das Ich des Menschen zunehmend aufrichten und der Einzelne könne sich in seiner individuellen Urteilsfähigkeit stärken.

 

In einem weiteren Schritt des Erforschens der Aura wurde das bisherige Erinnerungsbild mit dem Hinweis betrachtet, es „ganz leicht zu lassen“, wie nicht fixiert mit der Frage: „Welches Wesen zeigt sich?“, oder: „Welches Wesen will sich zeigen?“. Wenn das Schauen in dieser nicht fixierten Weise gelingt, verschwindet, so Heinz Grill, das Erinnerungsbild und es kann sich das Wesen, also die seelische Dimension, die astrale Wirklichkeit zeigen, bzw. erscheint sie vor dem Schauenden. Erste vorsichtig geäußerte Eindrücke von verschiedenen Personen zeigten wiederum recht nahe Übereinstimmungen. Es waren Eindrücke eines ergreifenden und eher dunklen Wesens entstanden. Der individuelle, astrale Teil der Aura eines jeden Menschen wirkt täglich auf die Umwelt und auf die Mitmenschen, selbst dann, wenn diese Person nicht mit Worten oder Taten in Aktion tritt. Mehreren Anwesenden war aufgefallen, dass es sehr schwer fiel, das Bild in der Erinnerung aufzubauen und in der Konzentration zu halten, da es sich immer sehr schnell entzogen hatte und nicht, wie es auch erlebt werden könnte, wie entgegenkommend schnell in die Erinnerung eintritt.

 

Inneres Erleben und unmittelbare Rückwirkung des Übens auf den Praktizierenden

 

Ganz deutlich konnte wahrgenommen werden, dass nach einiger Zeit der Betrachtung Ruhe entsteht. Auch die Empfindung, dass eine Zentrierung stattfindet, dass sich die Mitte im Übenden wie festigt, konnte wahrgenommen werden. Gleichzeitig war erlebbar, wie ein Raum entsteht, beziehungsweise wie sich der Raum wie öffnet und als weiter empfunden wird. Die gesamte Atmosphäre, die entstanden war, wirkte sehr verbindend und beziehungsoffen, im Sinne von klarer Begegnung und gegenseitiger Wahrnehmung und weniger im Sinne emotionaler Gruppengefühle.

 

An dieser Stelle führte Heinz Grill den Begriff des Engels ein, der sich in der Ruhe und fein verbindenden Weite des Raumes ausdrücke. Konkret geisteswissenschaftlich gesehen, zeige sich so das Wirken des Erzengels Michael. Dieses Geschehen sei vom Erzengel gewollt und wenn Menschen auf diese Weise geistig übten, könne er mit seiner Arbeit hinzutreten. Interessant war in diesem Zusammenhang die Aussage von Heinz Grill, dass sich der Übende von dem Augenblick an, in dem dieses Wirken eintritt, nicht mehr allein fühle. Er sei auch nicht mehr allein, er sei begleitet.

 

Der Fachbegriff des sogenannten „rückstrahlenden Äther“ wurde ebenfalls in diesem Zusammenhang genannt. Ursprünglich stammt dieser Begriff aus der Geistschulung der Rosenkreuzer. Die Substanz, die durch das Üben entsteht, ist Ätherkraft. Es handle sich hierbei vor allem um den Lebensäther, der kräftigend und das Ich aufrichtend und stärkend wirkt. Die oben beschriebene Weite und beziehungsoffene Sphäre sei ein Ausdruck des Wärmeäthers, der von außen die Zellen auf subtilste Weise durchdringt und erwärmt und in besonderem Maße das Immunsystem des Übenden und anderer Menschen stärkt.

 

Die Bedeutung der Erkenntnisentwicklung für die Stabilisierung des Menschen und für die Friedenspolitik

 

Gegen Ende des Wochenendes wurde sehr deutlich, welchen Schutz der Übende durch seine Auseinandersetzung entwickeln kann. Die Übungen des geistigen Schauens beschränken sich nicht nur auf die Erforschung des sogenannten Positiven in der Welt, sondern auch, in geeignetem Maße, auf die Ergründung des sogenannten Negativen. Damit wird die individuelle Urteilsfähigkeit gestärkt. Sie bedeutet einen Schutz vor Lügen, Manipulationen und Suggestionen, denen die Menschen heute mehr denn je ausgesetzt sind. Die Kräftewirkungen die heute von Suggestionen ausgehen, beschrieb Heinz Grill als auf subtile Weise zersetzend für den Eiweißstoffwechsel des Menschen. Da das Eiweiß für das Ich des Menschen die notwendige physische Substanz darstellt, erschweren oder verhindern Suggestionen die Ich-Erkraftung des Menschen die ihm ein gesundes In-Beziehung-Treten mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen erst ermöglicht und damit die Schaffung einer ruhigen und friedvollen Begegnungsspähre.

 

Übe sich der Einzelne auf diese Weise, so entwickle sich etwas Friedvolles. Daher, so Heinz Grill, würden Menschen, die damit beginnen geistig zu arbeiten, einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten und weiterhin zu einer aktiven Erhaltung des Ich-Selbst bei sich und anderen beitragen. Auf Grund dieser Gedanken konnte bis zum Ende der Tage für alle Teilnehmer verständlich werden, inwiefern wir noch ganz am Anfang einer Entwicklung und einer neuen Zeit bzw. einer neuen Kultur stehen. Es wurde auch klar, dass es sehr wichtig ist, sich für die Arbeit mit der Vorstellungsbildung Zeit einzuräumen. Zeit, die heute scheinbar niemandem mehr zur Verfügung steht. Der Rhythmus von drei Tagen wurde als unterstützende Hilfe genannt. Übt man an drei aufeinander folgenden Tagen, so wird man feststellen, dass es ab dem dritten Tag leichter fällt, ein Vorstellungsbild aufzubauen und sogar ein Bedürfnis nach dem Üben entsteht, da sich der menschliche Ätherleib darauf einstimmt und neu formt.

 

An dieser Stelle möchte ich noch auf weitere Gedanken zum Thema „Suggestion“ in Zusammenhang zu einer Rede von Papst Francesco

hinweisen, die bei Interesse unter www.heinz-grill.de nachgelesen werden können, sowie auf der Seite yoga-und-synthese.de findet sich eine Zusammenfassung zur Tagung in Ägypten, ebenfalls zum Thema geistiges Schauen.