Bio ist nicht gleich Bio - Anwendungsbeispiel für die Kunst des Geistigen Schauens

 Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal passiert: Sie kaufen ein Produkt mit zertifiziertem Bio-Etikett. Beim Verzehr oder der Zubereitung dieses Produkts fällt Ihnen allerdings auf, dass dessen substantielle Qualität diejenige eines konventionellen Produkts nicht überschreitet,  dass es sogar direkt von schlechter Qualität ist.

 

Es scheint, als ob die Auflagen für den Anbau in Bio-Qualität, bzw. die daran anschließende Zertifizierung noch nicht den Ausschlag für ein wirklich gutes Produkt geben. Ein Bio-Produzent, der Mitglied in einem speziellen Anbauverband mit strengen Vorschriften ist, könnte nun einwenden, “aus diesem Grunde wenden wir bestimmte zusätzliche Maßnahmen an, die sich qualitätssteigernd auswirken.” Das ist sicher richtig und man kann vermuten, dass  Anbauverbände wie Demeter, Bioland, Naturland, etc. eine sehr gute Produktqualität garantieren können.

 

Nun gibt es aber auch andere Begebenheiten: Wer hat nicht schon einmal von einer konventionell wirtschaftenden Gartenliebhaberin ein Stück frischen Salat oder Gemüse geschenkt bekommen und freut sich an dessen hervorragender Qualität. Plötzlich stört man sich gar nicht mehr daran, dass dieser Salat mit chemischen Mitteln behandelt worden ist. Vielmehr überwiegt der Eindruck der intensiven Beziehung zwischen der Gartenliebhaberin und ihrem Garten sowie die Erinnerung an die freundschaftliche Geste des Schenkens.

 

 

Licht- und Wärmekräfte in Mensch und Natur

 

In seinem Vortrag über Licht- und Wärmekräfte in Mensch und Natur am Andreashof in Überlingen (13. Juli 2014) hat der Geistforscher Heinz Grill auf Zusammenhänge hingewiesen, die eine Erklärung für die oben genannten Phänomene geben können. In der Natur herrschen Licht- und Wärmekräfte, die für das Reifen und die Qualität der Produkte zu einem großen Maße verantwortlich sind. Wer sich in der Kunst des Geistigen Schauens übt, kann diese Kräfte wahrnehmen, unterscheiden und sogar selbst hervorbringen lernen. Während die Pflanzen ganz auf die von außen an sie herankommenden Einwirkungen angewiesen sind, kann der Mensch im Gegensatz dazu selbst Licht und Wärme in einem seelischen Sinn verstanden erzeugen. Auf diese Weise wird er zum Lebenskünstler und entwickelt eine eigenständige Fähigkeit, die zugleich sozialförderlich ist. Das Studium und die Hinwendung zur Natur ist nach den Ausführungen von Heinz Grill ein erster Schritt, um in der Folge die nach Rudolf Steiner “Licht- und Wärmeäther” genannten Kräfte zu aktivieren.

 

In der praktischen Anwendung dieser Gedanken könnte sich folgende Situation ergeben: Jemand ist im Bio-Anbau oder in der Verarbeitung biologisch erzeugter Waren tätig und möchte die Qualität seiner Produkte verbessern. Entsprechend dem Gesetz, dass die Ätherkräfte am besten eingreifen, wenn man sie in ihrer Natur frei verfügbar lässt, wird man nun nicht direkt mit einer Manipulation des Produktes beginnen. Der Weg zur Verbesserung der Ware beginnt indirekt, indem man sich zum Beispiel Gedanken über die Natur des Wärmeäthers macht. Dazu kann man sich als Erstes bewusste Eindrücke verschaffen, wie in der Natur immer ein Einzigartiges und ein Gesamtes zugleich auftreten, also der einzelne Grashalm ist einzigartig, aber zugleich im Verbund mit anderen Grashalmen bildet er eine ganze Wiese. Dasselbe gilt in personaler Weise für den Menschen: Jede Person ist einzigartig und zugleich bestehen immerfort Verbindungen und Beziehungen unter den Menschen.

 

Eine weitere meditative Betrachtung, die den Wärmeäther betrifft, kann zu dem Symbol des Kreises geschehen, wie Zentrum und Außenkreis aufeinander bezogen sind. In analoger Weise stärkt ein Mensch, der einen anderen Menschen gut wahrnimmt, rückwirkend wieder sein eigenes inneres Zentrum. Diese Aktivitäten des Betrachtens von Natur und Mensch unter Hinzunahme meditativer Übungen wie Konzentration und Bewahren der Eindrücke in der Rückerinnerung, schenken dem Bio-Produzenten eine intensivere Beziehung zu seiner Ware und zu seinem Tätigsein. Wenn er sich auch weiterhin um die Einhaltung von Anbau- und Verarbeitungsrichtlinien kümmern wird, so steht doch die Methode nicht mehr im Vordergrund. Der Mensch selbst wird sich als künstlerisch Gestaltender bewusst und auf letztlich geheimnisvolle Weise wird das von Natur aus in einer Pflanze angelegte Wärme-Element zur lebendigen Ätherkraft angehoben. Der Käufer wird intuitiv eine größere Freude mit dem solcherart belebten Produkt spüren, so als ob dessen Verzehr nicht nur den Hunger stillt, sondern ihn auch von innen heraus zentriert und stärkt.

 

Foto: freeimages

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